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Ausgezeichneter Jazz vor zu kleinem Publikum – Laura Jurd mit Dinosaur im Knust

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von Katrin Dürwald Auf dem Weg zum Knust wurde ich mehrmals um Kleingeld angeschnorrt, doch davon hatte ich selbst nicht viel. Beim Eingang in die Bar musste ich mein Ticket zeigen und bekam einen Stempel auf die Hand. Wieder den Handrücken hingehalten, Mist, dachte ich, als ich sah, dass sich die anderen auf der Innenseite des Unterarms stempeln ließen. Hatte was von Knutschfleck und vorgetäuschter Jugendlichkeit. Ich warf einen Blick auf die Bühne hinter der Bar– viel Platz war hier nicht. Aber es waren auch nur wenige Leute da. Mein Geld reichte gerade mal für ein Cider. Ich ging wieder raus und setzte mich auf eine der bayrischen Bierzeltgarnituren, während drinnen die Vorband, das LisaWulff -Quartett, zu spielen begann. Es war ein klassisch-melodischer Jazz mit der Frontfrau am Bass, der Lust machte reinzugehen.  Laura Jurd mit Dinosaur im Knust Drinnen war nicht viel los, alles in allem vielleicht 30 Menschen, darunter einige Paare, die sich auf die wenigen Bänk...

„De Seewulf“ – ein nahezu filmisches Vergnügen mit dramaturgischen Schwächen im Abschluss

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von Katrin Dürwald Der weinrote Samtvorhang ist noch geschlossen. Ein vollbärtiger Mann mit Dockermütze, bekleidet mit in einem Südwester, hält sich ein Mikro direkt an den Mund und imitiert Windgeräusche. Direkt danach wiederholt sich das aufgezeichnete Pattern, und er setzt darunter das Knarzen von Schiffsbalken. Obwohl wir ihm beim Schaffen dieser Geräusche zusehen, lässt sich das Gehör nur zu gern täuschen und versetzt uns direkt an Bord eines alten Seglers. Der Soundarrangeur und Tausendsassa ist Peter Kaempfe. Er wird im Laufe dieses Abends die Schläge bei Prügeleien, das Scheuern des Decks und das Gluckern des Meeres akustisch verstärken und uns das Gefühl vermitteln, wir seien in einem Hörspiel mit bewegten Bildern gelandet. http://www.ohnsorg.de/spielzeit/stuecke/stueck/de-seewulf/ Die Geschichte, um die es geht, kennen wir alle nur zu gut: der gutbürgerliche Schiffbrüchige Humprey van Weyden (Markus Frank) wird vom Robbenfänger „Ghost“, geführt vom tyrannischen Kapitän...

Wenn man nichts tun muss, aber es trotzdem tut, und das äußerst charmant! - Randy Crawford in der Laeiszhalle

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von Katrin Dürwald Wenn ein Konzert mit Standing Ovations anfängt, welche Steigerung kann es dann noch geben? – Stehend und klatschend begrüßten die Hamburger am vergangenen Sonnabend Randy Crawford. Ein Herr in schwarzem Livree begleitete die Grande Dame des Soul bis zum Bühnenabsatz. Sie genoss den Beifall sichtlich, lachte erfreut ins P ublikum, schoss ein paar Bilder auf dem Handy und setzte sich dann behäbig auf einen Schemel. Sie schien etwas unzufrieden zu sein mit ihrem roten Kostüm, denn es spannte über dem Bauch, so dass sie mitunter an sich „herumzuppelte“, um es in Form zu bringen.  Sie begann mit „You might need somebody“, und im Moment des Wiedererkennens gab es Pfiffe und Klatscher, die angesichts der warmen Stimme Crawfords schnell verebbten. Wir tauchten ein in die Zeit der frühen 80er. Ihre Stimme klang dabei so perfekt moduliert wie auf ihren Platten. Hell und weich interpretierte sie die Balladen, kräftig und glasklar ertönte sie bei den rhythmischeren ...

Hypnotisierender Elektropop im Docks - Morcheeba

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von Katrin Dürwald Auf dem Spielbudenplatz spielte eine dreiköpfige Band Gute-Laune-Musik, und um sie herum saßen Menschen, die ihr Gesicht mit geschlossenen Augen genießerisch der tiefstehenden Sonne zuwandten. Andere tranken Astra-Bier und unterhielten sich angeregt. Während von Zeit zu Zeit der Motor eines Reeperbahn-Cruisers aufheulte, bildete sich vor dem Docks eine lockere Reihe von Konzertgängern, die an diesem Abend zu Morcheeba wollten. In unserer Gruppe entschied man sich dafür, auf die Vorgruppe zu verzichten und lieber noch draußen den lauen Abend zu genießen. „Das Docks ist eine Sauna“, klärte mich Konzertexpertin Rachel auf. Gegen viertel vor 9 Uhr machten wir uns dann doch auf in die besagte Sauna. Wir hatten gerade die Pause zwischen der Vorgruppe und Morcheeba erwischt und drängelten uns ins hintere Drittel des Parketts, wo wir mit Mühe das Mikro der Sängerin ausmachen konnten. – Um kurz nach 9 Uhr betrat Ross Godfrey mit seinen Bandmitgliedern die ganz in R...

Das Tor zur Welt öffnet sich einen Spalt mit Sufi-Musik in der Elphi

von Katrin Dürwald Wenn ich den Begriff „Weltmusik“ höre, überschlagen sich in meinem Kopf sämtliche Vorurteile und vorgefasste Meinungen, die sich eher gegen das Publikum denn gegen die Musik richten. Ich denke an Frauen in gebatikten Pumphosen, an schlaksige Alt-68er mit ergrautem Zottelhaar und beider selige Blicke in Erwartung einsetzender Trance. Und jetzt hat mich der Zufall in den kleinen Saal der Elphi geführt, wo unter dem Label „Weltklassik“ der pakistanische Sänger Faiz Ali Faiz mit seinem Ensemble auftritt. Faiz steht in einer langen Tradition von Qawwali-Musikern, bereits mit 16 Jahren gab er sein erstes professionelles Konzert. Er beschreibt die Musik so: „Während des Gesangs verwenden wir ein konstantes rhythmisches Klatschen und die Trommel, wir kreieren somit eine zyklische Struktur. Dazu wiederholen wir unablässig, ständig sich im Ausdruck steigernd, heilige Worte und einige Verse aus der Sufipoesie, wir nennen das ‚Dhikrullah‘. Diese heiligen Worte richten sic...

Ganz Hamburg schwärmt von Edgar Selge – zu Recht!

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von Katrin Dürwald „Im Grunde könnte das Schauspielhaus derzeit jeden Abend die Unterwerfung aufführen“ beschrieb die Zeit im Februar den Erfolg des Ein-Personen-Stücks „Unterwerfung“ in der Inszenierung von Karin Baier. Das Stück läuft seit eineinhalb Jahren außerordentlich erfolgreich; kaum gibt es neue Tickets, sind sie auch schon ausverkauft. Edgar Selge (wirklich 70 Jahre?) ist für seine schauspielerische Leistung in diesem Stück als Schauspieler des Jahres ausgezeichnet worden, und es ist in der Tat eine herausragende Einzelleistung, die Selge bei jeder Aufführung aufs Neue abruft. Während Selge – noch als er selbst – im beigen Trenchcoat – die Bühne betritt, hört man den Autor Michel Houellebecq in einer Tonaufnahme sprechen. Selge weist das Publikum ein und erklärt ihm, dass er nun gleich den Literaturprofessor Francois spielen wird. Fast unmerklich verschwindet Selge und Francois erscheint in ihm. Dieser skizziert seinen bisherigen Werdegang, von seiner nach eigenem Daf...

Schwer verdaulich, aber mit lichten Einfällen inszeniert – „Rose Bernd“ im Schauspielhaus

von Katrin Dürwald Heimatvertriebene werden das nicht gern lesen, aber ich halte Schlesisch für tot. Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg haben diese Sprache, die damals von sieben Millionen Menschen gesprochen wurde, zerstört. Mehr als 70 Jahre danach habe ich nicht einmal mehr eine Vorstellung davon, welche Eigentümlichkeiten diese Sprache aufweist. Nach meinem Besuch des Stückes „Rose Bernd“ von Gerhart Hauptmann im Hamburger Schauspielhaus habe ich nun eine rudimentäre Vorstellung davon: ein hochdeutsches „ei“ wird zu einem langgezogenen „ee“, es gibt doppelte Verneinungen wie „nie nuscht“ oder ein „ooch“ für „auch“. Es gibt rollende „R“s, und es ist für einen Norddeutschen schwer verständlich. Regisseurin Karin Henkel scheint sich das auch gedacht zu haben und hat den Text nur bei bestimmten Ausdrücken mit schlesischem Klang versetzt, um ihn verständlich zu halten. Allerdings bringt das mit sich, dass man den Schauspielern den Dialekt nicht abnimmt. Es entwicke...