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Es werden Posts vom Juni, 2018 angezeigt.

Veel Spaas bi „Hallo Dolly“ in’t Ohnsorg!

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von Katrin Dürwald Mit dieser Inszenierung ist Regisseur Frank Thannhäuser etwas ganz Großes gelungen: Lebendiges Platt, 60er Jahre Broadway-Stimmung, tolle Tanzeinlagen und mitreißende Gesangsnummern sorgen für anhaltenden Jubel beim Publikum. "Hallo Dolly" liebevolle gemachtes Muscial auf Broadway-Niveau (Quelle: https://www.ohnsorg.de) Das Ohnsorg-Theater ist so kuschelig konzipiert, dass man getrost auch günstigere Karten nehmen kann. Dann sitzt man zwar den Schauspielern nicht auf dem Schoß, aber man hat trotzdem gute Sicht bei Wohnzimmeratmosphäre. Gerade nun vor mir sitzt ein alter Herr, der die gesamte Sitzreihe um einen halben Kopf überragt, dabei sah er stehend gar nicht so groß aus. Bevor ich mich darüber ärgern kann, dreht sich der Herr um und fragt mich, ob ich was sehen kann! – Ich bin zu überrumpelt um abzuwiegeln und sage ihm, es werde schon gehen. Da zieht er ein dickes rotes Sitzkissen unter seinem Hintern hervor, sackt nach unten ab und lacht. ...

Fazil Say und Marianne Crebassa von romantisch verklärt bis mahnend politisch

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von Katrin Dürwald „Fazil Say hat sich darüber geärgert, dass er heute Klavier üben muss, wo er doch am liebsten WM schauen würde“, erklärt mir Tülay, die ein Fan des türkischen Pianisten ist und ihm auf Facebook folgt. Das finde ich sehr sympathisch, denn ich habe auch nicht immer Lust, meinen Pflichten nachzukommen. Fazil Say ist schon oft in Hamburg aufgetreten, war 2011 auch bei Schleswig-Holstein-Musik-Festival aktiv, aber dies ist meine erste Begegnung mit ihm. Er tritt auf mit der gerade mal 31jährigen, französischen Mezzosopranistin Marianne Crebassa, einer zartgebauten Brünetten mit langen Haaren. Crebassa singt unter Begeitung des Pianisten Fazil Say französische Lieder der Spät-Romantik Am kleinen Saal der Elphi missfällt mir vor allem seine enge und spartanische Bestuhlung. Ich habe jedes Mal den Eindruck, sie hätten wieder eine Stuhlreihe mehr hineingedrückt. Der Abend beginnt mit drei Melodien von Debussy. Crebassas Stimme ist glockenrein und durchdringt mü...

Wie in Trance: Leonidas Kavakos spielt Schostakowitsch‘ Violinkonzert Nr. 1 bravourös!

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von Katrin Dürwald Während sich das Orchester einstimmt, frohlockt mein Ohr bereits, denn für diesen Klang wurde der große Saal der „Elphi“ optimiert, und man hört es; schon das polyphone Nachjustieren der Instrumente des NDR Elbphilharmonie Orchesters versetzt einen in neugierige Erwartung. Der Dirigent Jukka-Pekka Saraste gibt sein Elphi-Debüt mit Nielsens Helios-Ouvertüre, dem 1. Violinkonzert von Schostakowitsch und Sibelius‘ 5. Symphonie. Er wird freundlich vom Hamburger Publikum aufgenommen, verbeugt sich kurz und beginnt mit Nielsen. Diese 1903 uraufgeführte Komposition beschrieb Nielsen als ein Lob und Preis der Sonne. Das Stück beginnt mit langen Basstönen quasi im Morgengrauen. Nach und nach kommen feierlich, fast pathetisch, Waldhörner dazu, der Morgen erwacht mit dem Einsetzen der Streicher, und die Sonne triumphiert zu Trompetenfanfaren. Dieser lautmalerische Umgang mit dem Tagesverlauf erinnert ein wenig an Smetanas „Moldau“. Das Stück wird bis heute zum Jahreswechsel ...